veröffentlicht am 15. Mai 2016 von prpstn
in : kommentiert

Wir formen die Städte – und sie formen uns

Anmerkung: Beiträge der »Kommentiert«-Reihe spiegeln das tiefe Unbehagen des Autors wieder. Sie sind polemisch, selten ausgewogen, immer streitbar und wollen doch Genauigkeit herstellen. Jegliches Unverständnis, das den Leser überkommt, darf als Kommentar zu Protokoll gegeben werden. Das verlangt die Betroffenheit des Lesers und freut den Verfasser.



»First we shape the cities and then the cities shape us.«
– Jan Gehl


 

Die Hälfte aller Menschen auf der Welt lebt in Städten, und es werden in jedem Jahr mehr. Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch, wächst am schnellsten – mehr als eine halbe Million neue Menschen strömen jährlich in die Stadt. Urbanisierung, das ist ein Symptom von Prosperität. In afrikanischen Entwicklungsländern entstehen dort neue Städte, wo die Wirtschaft blühen kann; die Menschen – auf der Suche nach einem Minimum ökonomischer Sicherheit – werden magnetisch von ihnen angezogen. 

Aber dann, nachdem wir, Menschen, die Städte geformt haben, beginnen sie uns zu formen. New York's Manhattan ist berühmt für seine Skyline – aber auch für Anonymität und hohe Geschwindigkeit. Wenn wir mehrspurige Highways in die Stadt führen, das Tempo der Stadt an Autos ausrichten – und nicht an Menschen –, erzeugen Städte diese Unruhe und Hektik, die in New York allgegenwärtig ist.
Jan Gehl, ein dänischer Architekt mit einer ganz anderen Auffassung, will Städte für Menschen bauen, in denen Platz für 'informelle Begegungen' ist. Autofreie Innenstadtzonen, Sitzgelegenheiten, Platz für Fahrräder. Ganz einfach, eigentlich.

Eine Stadt, die zufällige Begegnungen provoziert, ist eine ganz im Sinne von Gehl. Gehl gilt als einer der einflussreichsten Stadtplaner der Welt und steht hinter dem Konzept seiner Heimatstadt Kopenhagen. Außerdem ist er Teil der Wiederbelebung Manhattans.

In welcher Stadt möchtest du leben? In denen du zum Verweilen eingeladen wirst oder zur Rastlosigkeit? Zugegeben, das ist suggestiv gefragt. Gehl sagt: "Um das Leben in einer Stadt zu ersticken, gibt es keine effizienteren Mittel als Autos und Wolkenkratzer." Er geht sogar noch weiter: "Hochhäuser sind des faulen Architekten Antwort auf die Frage nach Dichte." In der Dokumenation 'The Human Scale' wird die Frage nach der modernen Stadt gestellt: Was können wir aus ihr machen und, viel wichtiger, was macht sie mit uns?

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