Die dop­pelte lite­ra­ri­sche Frei­heit, die Frei­heit von been­gen­den erzäh­le­ri­schen For­ma­ten und die Frei­heit zu einem Kri­ti­ker als Freund, ist die Grund­lage des gemein­sa­men Publi­zie­rens auf Prä|Position. Wir sind offen für Essays, Repor­ta­gen, Kom­men­tare, Län­der­be­richte und Por­träts; Roman­aus­züge, Novel­len, Kurz­ge­schich­ten, Lyrik und Prosa. Wich­ti­ger ist uns, dass der Text unab­hän­gig von sei­ner Form sowohl zugäng­lich als auch zeit­lich unge­bun­den ist. Das bedeu­tet, dass er für den Leser zwar nicht vor­aus­set­zungs­los ver­ständ­lich, wohl aber unbe­dingt ver­steh­bar sein soll und dass er auch außer­halb sei­nes kon­kre­ten zeit­ge­schicht­li­chen Rah­mens les­bar ist.

Unsere Auto­ren sind sti­lis­ti­sch und sprach­lich frei, doch wir wün­schen uns, dass sie nicht bedacht­los schrei­ben. Wir ermu­ti­gen nach­drück­lich dazu, sich der gan­zen Schön­heit der deut­schen (oder auch eng­li­schen) Spra­che zu bedie­nen. Was wir uns erhof­fen ist, dass der Autor genau ist in dem, was er schreibt. Nicht »ein­fach so« Gedan­ken zer­schreibt, son­dern sich bewusst ist, wie die rich­ti­gen Worte zum beab­sich­tig­ten Aus­druck bei­tra­gen. Wir bezwei­feln nicht, dass das für jeden! Autor ein end­lo­ser Kampf ist.

Zwei Wege füh­ren dann zum publi­zier­ten Text; beide Wege geht der Autor gemein­sam mit sei­nem Lek­tor, der übli­cher­weise einer der Her­aus­ge­ber ist. Besteht bereits ein Text­ent­wurf bil­det die­ser den Aus­gangs­punkt des Lek­to­rats. Besteht nur eine leise noch nicht bewor­tete Ahnung des erhoff­ten Texts, beginnt die gemein­same Arbeit dort. Dabei hat der Lek­tor nicht die Auf­gabe will­kür­li­che Ein­wände gegen gut­ge­wor­de­nen Sätze vor­zu­brin­gen. Jeder Lek­tor ent­schei­det sich empha­ti­sch für Text wie Autor und möchte den Text im Ange­sicht sei­nes Autors ein­zig bes­ser machen. Seine Moti­va­tion ist lite­ra­ri­sche Empa­thie: seine Kri­tik beginnt im Über­win­den ortho­gra­phi­scher Hin­der­nis­sen und endet, wenn der Text die Betrof­fen­heit des Autors spie­gelt. Eine sol­che dia­lo­gi­sche Arbeit wird den meis­ten völ­lig unbe­kannt sein, doch ver­spricht die Freund­schaft des Lesers.
Jeder ›fer­tige‹ Text wird durch den Lek­tor in ver­ein­bar­ter Form gesetzt und – mit einem Vor­wort der Her­aus­ge­ber ver­se­hen – auf unse­rer Publi­ka­ti­ons­seite ver­öf­fent­licht. In einer kur­zen Bio­gra­phie am Ende sei­nes Tex­tes, wird sich der Autor lie­bens­wür­dig beschrie­ben fin­den (ob mit wah­rem Namen oder anonym). Alle Publi­ka­tio­nen wer­den durch Prä|Position in den sozia­len Netz­wer­ken bewor­ben.

Jeder publi­zierte Text bleibt Eigen­tum sei­nes Autors und darf daher zweit­ver­öf­fent­licht wer­den. Wir hof­fen, dass unsere gemein­same Arbeit dadurch, und ins­be­son­dere bis wir eines Tages eine finan­zi­elle Aner­ken­nung leis­ten kön­nen, für den Autor in einem dop­pel­ten Sinne nicht umsonst war.

(Einige Anmer­kun­gen zu For­ma­tie­rung und Zita­tion hier.)

Roger Wil­lem­sens 13 Regeln

1. Sit­zen Sie gerade. Am bes­ten, Sie suchen auch inner­lich nach einer Hal­tung, die noch nicht war.

2. Gut schrei­ben ist etwas Ande­res als flott schrei­ben. Ent­schei­den Sie sich.

3. Tun Sie nicht so unschul­dig! Leis­ten Sie sich eine hohe Mei­nung vom Umgang mit Ideen. Alles wird bes­ser, wenn es gut gedacht ist.

4. Schrei­ben ist eine Orga­ni­sa­tion von Infor­ma­tio­nen. Miss­trauen Sie Ihrem Stoff, ver­trauen Sie Ihrer Form, und ler­nen Sie erst ein­mal die Stimme ken­nen, die spricht.

5. Strei­chen Sie die Hälfte aller spon­tan kom­men­den Adjek­tive, nen­nen Sie Cognac nie­mals eine »scharfe, bern­stein­far­bene Flüs­sig­keit«, las­sen Sie die Para­t­a­xen nicht schnur­ren wie eine Angel­schnur und schon gar nicht die Ver­glei­che.

6. Wo Sie unsi­cher wer­den, belas­sen Sie es bei einem Satz pro Gedanke.

7. Große Gefühle und gedehnte Beob­ach­tun­gen machen einen Text nicht groß, son­dern erst­mal gedehnt.

8. Sie müs­sen Bei­des und Bei­des sogar zugleich kön­nen: kurz sein und genau sein. Wenn Ihnen Genau­ig­keit nichts bedeu­tet, tau­gen Sie nicht mal zum Unter­hal­ter.

9. Hören Sie abends immer bei einer leicht zu schrei­ben­den Pas­sage auf, damit Sie am nächs­ten Mor­gen desto leich­ter wie­der in ihr Manu­skript fin­den.

10. Wenn Sie lang­wei­len, tun Sie es mit Pro­gramm, wenn Sie kein Pro­gramm haben, tun Sie es mit Über­zeu­gung.

11. Suchen Sie Wir­kung, nicht Effekt. Kein Text taugt, der nicht an der Erfin­dung der Innen­welt sei­nes Lesers teil­nimmt.

12. Las­sen Sie kei­nen mög­li­chen Leser ein, weder als Wille noch als Vor­stel­lung. Hal­ten Sie Begut­ach­ter fern. Scheuen Sie nicht Tod noch Rezen­sen­ten. Und Ihr heroi­sches Selbst­ge­fühl dabei kön­nen Sie sich auch abschmin­ken.

13. Nur als wer­den­der Text ist der Text fer­tig. Er wird erst, was er ist, indem er das Pro­duk­tiv­wer­den in der Lek­türe sti­mu­liert. Er ist nicht das Her­vor­ge­brachte, son­dern das Her­vor­brin­gende.

(»Ankle­ben ver­bo­ten!«, in: Neue Rund­schau 3/2011)

.Ein lite­ra­ri­scher Raum